Intensive
Sozialpädagogische Einzelbetreuung (ISE)
in der Caritas Jugendhilfe Margaretenstift
-ein partizipatorisch-integrativer Ansatz-

 

 

Bildquelle: August-Macke, "Gelbes Segel"

 

„Nicht wie der Wind weht, sondern wie die Segel gesetzt werden, ist entscheidend!“

 


Die Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung (ISE) verfolgt das Ziel der sozialen Integration und eigenverantwortlichen Lebensführung des jungen Menschen.
Die Umsetzung dieses Zieles ist immer, und vor allem bei der Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung, an den Besonderheiten des Einzelfalles orientiert.


In diesem Sinne konzentrieren sich die spezifischen Ziele, die der Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung durch die Adressaten vorgegeben sind, im Wesentlichen auf die Stärkung der psychosozialen Kompetenzen und die Stabilisierung der Persönlichkeit des jungen Menschen, um eine befriedigende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.


Eine der wichtigsten Voraussetzungen unserer ISE-Maßnahmen ist die Vertrauensbasis zwischen dem jungen Menschen und dem Jugendlichenbetreuer, der die Maßnahme vor Ort durchführt und verantwortet, sowie das Vertrauen zwischen dem Jugendlichen und seinem Jugendlichenbegleiter, der den gesamten Prozess (Vorbereitung, Durchführung, Reintegration) steuert und zwischen allen Beteiligten vernetzend informiert und koordiniert.


Dieses Konzept der intensiven Jugendlichenbetreuung plus einer Jugendlichenbegleitung garantiert zum einen die (re-)integrative Zielsetzung und ermöglicht zum anderen den Balanceakt zwischen vertrauensvoller, auch parteilicher Jugendlichenarbeit abseits direkter familiärer Einflussgrößen und gleichzeitig notwendiger Eltern- und Familienarbeit.


Die Jugendlichenbetreuung und -begleitung ist unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Besonderheiten darauf angelegt, sich an den Fähigkeiten und den Interessen des Jugendlichen zu orientieren, die parteiliche Moderation zwischen dem jungen Menschen und den an ihn gestellten Ansprüchen zu übernehmen und gemeinsam mit ihm Lösungen zu erarbeiten und zu realisieren.
Die ISE-Maßnahmen sind individuelle, wohl dosierte Hilfen, die weder Verantwortung abnehmen noch überfordern sollen, sondern immer wieder ausgehandelt, überprüft und neu vereinbart werden.

 


Adressaten

sind Jugendliche, die allgemein und in der Erziehungshilfe als besonders schwierig gelten und häufig auch deviant oder gar delinquent in Erscheinung getreten sind. Aufgrund ihrer extrem individuell ausgeprägten Lebensgeschichten, sind diese Jugendlichen besonders biografisch belastet und bisweilen gefährdet. 
Diese jungen Menschen haben  bereits mehrere erzieherische Hilfen erlebt, mit dem Ergebnis, von diesen Möglichkeiten nicht profitiert zu haben; sie wurden überfordert  oder haben selbst diese Hilfen und ihre Strukturen überfordert.

Arbeitsansatz

ist zunächst die subjektive Wichtigkeit der Verhaltensoriginalitäten der Jugendlichen „wahr“zunehmen und den Fragen nachzugehen:
Wozu sind die jungen Menschen so, wie sie sind?
Was wollen sie mit ihren Verhaltensweisen erreichen?
Wie stellt sich der Sinnhorizont ihres Handelns dar?

Angestrebt wird, die Lebenslagen der Jugendlichen gemeinsam mit ihnen verstehen zu lernen und dabei das Expertenwissen der Jugendlichen über sich selbst zu nutzen.
Ein so begründetes Arbeitsbündnis mit dem Jugendlichen lässt hoffen, dass der Jugendliche selbst die Maßnahmen annimmt, ihren Sinngehalt versteht und aus eigener Motivation mitarbeitet, weil auf der Basis echter Partizipation „Maß“ genommen wurde.


Die Alltagswelt dieser jungen Menschen macht es erforderlich, Intensive Sozialpädagogische Einzelmaßnahmen (ISE) zu entwerfen, die biografisch orientiert einen Ausweg aus den gefährdenden Lebenssituationen ermöglichen und dennoch begleitend an der Reintegration des Jugendlichen arbeiten. \


Um die integrative Zielsetzung der ISE-Maßnahmen, die ansonsten oft den Charakter ausgrenzender Hilfen annähmen, zu realisieren, wird zusätzlich zu dem Jugendlichenbetreuer, der unmittelbar mit dem jungen Menschen arbeitet, ein Jugendlichenbegleiter (JUB) eingesetzt, der als Koordinator zwischen  Jugendlichen, Eltern, Einrichtungen der Jugendhilfe, Arbeitsstellen, Kinder und Jugendpsychiatrie u. ä. die Hilfe als Assistent der Fachbereichsleitung aktiv beratend und steuernd mitverantwortet.

In den Fällen der Hilfen außerhalb des Saarlandes bereitet der Jugendlichenbegleiter vom ersten Tag der ISE-Maßnahme an die Rückkehr des Jugendlichen vor.
In diesem Sinne ist der Jugendlichenbegleiter (JUB) der Lotse, der den Kurs hält.

Unser Hilfe-Angebot


Um den vielfältigen Individuallagen von Jugendlichen entsprechen zu können, halten wir es für erforderlich, unterschiedliche Angebote von Einzelfallhilfen bereitzustellen, die entsprechend den Bedarfslagen der Jugendlichen gestaltet sind. Unsere Hilfen können direkt  oder - wie wir es empfehlen - mit einer vorausgehenden Diagnostikphase als zusätzliches, beginnen.


Diese partizipatorisch-integrative Diagnostik stellt die Jugendlichen selbst und ihr Leben in das Zentrum der Aufmerksamkeit und ist stets an einer aktiven gestalterischen Partizipation des Jugendlichen interessiert.
Die biografische Diagnostik ermöglicht es dem Jugendlichen, sich selbst biografisch zu präsentieren und zollt der Wirklichkeit des Jugendlichen den gehörigen Respekt. Dies bedeutet, die biografische Diagnose besteht aus Ermutigung zum Selbstausdruck, aus aktivem Zuhören und professioneller Analyse der originären, vom Biografen selbst zur Verfügung gestellten Informationen.


Methodisch bedient sich die biografische Diagnostik an den auf die Bedarfe der Praxis angepassten Methoden der qualitativen Sozialforschung. Erhoben wird die biografische Plattform, auf der die intendierten Maßnahmen ansetzen und hierbei werden die jungen Menschen als biografische Subjekte mit ihren individuellen historischen Identitäten ernst genommen. Sie unterstützt den Jugendlichen dabei, seine aktuelle Lebenssituation in einen Lebenszusammenhang zu integrieren, hilft die erzieherischen Maßnahmen an den Sinnhorizonten der jungen Menschen zu orientieren und schafft erste Voraussetzung für die Jugendlichen zum Erwerb biografischer Kompetenz, die es ihnen erlaubt, altersadäquat Einfluss zu nehmen auf Planungen, die ihr Leben entscheiden.


Ergänzend zur biografischen Diagnostik wird eine umfangreiche psychologische Analyse in diesem Zeitraum durchgeführt.
Die partizipatorisch-integrative Diagnostik kann ambulant oder stationär im Margaretenstift realisiert werden und nimmt in etwa 14 Tage in Anspruch.
Für das zugeschaltete Modul werden entsprechend dem erforderlichen Zeitaufwand 25 Fachleistungsstunden berechnet.
Als Ergebnis empfehlen wir, welche individuelle Einzelmaßnahme für den jeweiligen Jugendlichen indiziert ist und bereiten diese ggfs. auch vor.
 

 

Ansprechpartner:

Jörg Johann

Telefonnr.: 0681-94817-16

Email: j.johann@margaretenstift.de