11.11.2016

Triple P im Margaretenstift - Kleine Veränderungen, große Unterschiede

Bereits seit 2011 implementiert das Margaretenstift Triple P als einen Ansatz, der systematisch pädagogische Handlungskonzepte zusammenfasst und praxisnah weitervermittelt.

Triple P (Positive Parenting Program) ist ein wissenschaftlich fundiertes und präventiv ausgerichtetes Erziehungsprogramm mit dem Ziel, die elterliche Beziehungs- und Erziehungskompetenz zu stärken, um so die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern und die Prävalenz und die Inzidenz von emotionalen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten zu reduzieren.
Im Rahmen der Organisationsentwicklung trat der Leiter des Margaretenstiftes, Herr Erhard Zimmer 2011 in Kontakt mit Triple P-Deutschland, um den pädagogischen Handlungsansatz für die stark gewachsene Einrichtung einzuführen. Mittlerweile umfasst das Angebotsspektrum des Margaretenstiftes 15 Wohngruppen, 2 Integrative Familienhilfen, 2 Stationäre FamilienClearings, 20 Professionelle Erziehungsstellen, 19 Jugengendlichenwohngemeinschaften, eine Tagesgruppe, verschiedene Schulprojekte, Betreutes Wohnen, Mobile Betreuung und intensive Einzelmaßnahmen. Triple P bietet in diesem Kontext einen verbindenden und verbindlichen pädagogischen Handlungsansatz, auf dessen methodisch breiter und praktisch sehr bewährter Basis, die vielen und teils sehr unterschiedlichen Qualifikationen in den einzelnen Teams zu einem sinnvollen und sich ergänzenden Ganzen entwickeln können.
Gemeinsam mit Triple P-Deutschland wurde ein Rahmenkonzept für das Margaretenstift entwickelt, das schließlich gewährleisten sollte, dass das zunächst zum Gruppentrainer ausgebildete Leitungsteam in der Folge sowohl die Eltern schult als auch die pädagogischen MitarbeiterInnen. Diese bildungsorientierte ganzheitliche Herangehensweise baut Fremdheit zwischen den handelnden ProtagonistInnen in den unterschiedlichen pädagogischen Realitäten ab und unterstreicht die partizipatorische Grundhaltung mit dem Ziel eines gemeinsamen pädagogischen Handelns von ErzieherInnen und Eltern.

 

Frau Isabella Scheurer übernahm als Triple P-Beauftragte des Margaretenstiftes fortan die Verantwortung für den Ausbildungs- und Implementierungsprozess von Triple P im Margaretenstift: „Überzeugt hat mich, dass Eltern und Fachleute gleichermaßen das Konzept nutzen können. Außerdem der Leitsatz: Small Changes, big Differences.“ sagt Isabella Scheurer. Das Suffizienzprinzip deckt sich hervorragend mit dem Hilfeverständnis des Margaretenstifts: „Wir wollen keine ‚Überhilfen‘ sondern maßgeschneiderte Hilfe anbieten. Das wünschen sich auch die Eltern.“ Unser Schwerpunkt in der Arbeit mit Familien liegt auf Partizipation und Transparenz, was durch die Verwendung der gleichen Sprache und der gleichen Begriffe bei Fachpersonal und Eltern erleichtert wird.
Eine Herausforderung stellt die Arbeit mit nicht-freiwillig Unterstützung suchenden Eltern dar, da sie oft negative Vorerfahrungen mitbringen und dazu neigen, eigene erzieherische Probleme nur unzureichend wahrzunehmen. Sie benötigen folglich mehr Anleitung und motivationale Unterstützung. „Zu Beginn arbeiten wir viel daran, ein Problembewusstsein zu wecken und die Eltern zu motivieren, dass Dinge veränderbar sind“, so Frau Scheurer. Gleichzeitig „gefällt es den Eltern, Teil eines internationalen Programms zu sein“.
„Es ist sehr herausfordernd, die Grundhaltung von Triple P zu leben und immer wieder auf akute Situationen zu reagieren“, fasst Frau Scheurer die Arbeit im Margaretenstift zusammen.

Die Teilnahme am Elterngruppentraining ist fester Bestandteil in der Integrativen Familienhilfe. Zu den Elterngruppentrainings eingeladen werden aber auch die Eltern, deren Kinder eine Tagesgruppe im Margaretenstift besuchen oder aus einer stationären Betreuung im Margaretenstift nach Hause zurückgeführt werden sollen. Die Gruppentrainings können ebenso von externen Eltern direkt bei uns oder über das Jugendamt als Modul gebucht werden. Abzufragen sind die jeweiligen Kurstermine über die Homepage des Margaretenstiftes oder Triple P Deutschlands.
Die Trainings dienen der Prävention ernsthafter erzieherischer Schwierigkeiten und stellen hiermit einen Baustein in den Hilfen zur Erziehung dar, die wir im Margaretenstift leisten. „Nach unserer Erfahrung bieten die Trainings den Eltern eine sehr gute Orientierung, ermutigen zur aktiven Anwendung positiver Erziehungsstrategien und bestärken das elterliche Engagement für die Kinder.“ Die multimediale und manualgetreue Darbietung sowie die internationale Ausrichtung des Programms fördern das Vertrauen der Eltern in die Wirksamkeit des Programms. „Immer wieder erhalten wir die Rückmeldung, dass vieles bereits bekannt war, jetzt aber erst funktioniert: Kleine Veränderungen bewirken also große Unterschiede!“
Seit 2015 beteiligt sich das Margaretenstift außerdem an einem Projekt zur Einführung von TP online in Deutschland. Dieses Programm vermittelt die Erziehungsstrategien des Elterngruppentrainings für Kinder von 0-12 Jahren mittels Videoclips, Arbeitsblättern und Aktivitäten. Es richtet sich an Eltern, die zeitlich zu beschäftigt sind oder lieber alleine nach freier Zeiteinteilung lernen möchten. Das Margaretenstift bietet Eltern, die sich bereit erklären, an einer wissenschaftlichen Auswertung mitzuwirken, kostenlose Tickets für ein Online-Training an. Auch hier kommt das Suffizienz-Prinzip zur Anwendung: Eltern nicht mehr Hilfen zu geben als sie benötigen!

 

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